Freitag, 25. Dezember 2015

WANDERLUST IS NOTHING MORE THAN THE LONGING FOR NEW IMPRESSIONS.


Die Sehnsucht nach neuen Eindrücken bringt uns dazu, unsere Heimat zu verlassen und hinaus in die weite Welt zu ziehen und nach Veränderungen zu suchen. Aber was ist, wenn man im Fremden die gleichen Schauplätze mit den gleichen Darstellern wiederfindet? 
Seit ich anfing mich intensiver mit meiner Umwelt und meinem Innenleben zu beschäftigen, plagt mich eine Art von Lust nach den Weiten. Die Lust nach Veränderungen, nach einer neuen Umgebung und neuen Gesichtern. Ja, nur weg von der Provinz. Weg von den Kleingeistern mit beschränktem Horizont, die im grauen Alltag herumirren. Ehe man sich versieht, wiegt der triste Alltag schwer wie Blei und der Sog ist zu stark um dort wieder herauszukommen.

Seit ein viertel Jahr wohnte ich nicht mehr zu Hause und pendle gelegentlich zwischen meinen jetzigen Wohnort und meinem Geburtsort, um ein paar Tage mit meiner Familie zu verbringen. Jetzt gerade bin ich wieder bei meinen Eltern und verbringe die Feiertage bei Ihnen. Ich werde wahrscheinlich zwar nicht Silvester mit meinen Eltern feiern, da ich in der Hinsicht anders verplant bin. Aber die restlichen Tage von meinem Urlaub werde ich noch bei Ihnen bleiben, bevor es wieder zurückgeht in den Alltag, den man größtenteils selber gestalten kann um nicht in eine Art Zwangsroutine zu verfallen. Zwangsroutine, gutes Stichwort. Seitdem ich alleine wohne, bin ich mehr in diese Zwangsroutine verfallen. Wenn ich nicht fünf Tage in der Woche im Klinikum bin und meine 8-Stunden-Schicht hinter mir bringe oder den Haushalt schmeiße, dann verbringe ich die restliche Zeit damit zu Hause die restlichen Stunden Schlaf nachzuholen. (Keine Sorge, ich liebe meine Ausbildung trotzdem.) Und da kommt die Zwangsroutine, von der ich spreche, ins Spiel. Als ich vor ein paar Monaten noch bei meinen Eltern wohnte und die Schulbank drückte, verfiel ich bereits in diese Routine.  Zwangsroutine Reloaded.

Deshalb fühlte ich mich auch eine Zeit lang so, als hätte ich versagt, weil ich die vergangenen Jahre in nur einer Stadt verbracht hatte. Aber was blieb mir bitte anderes übrig? Ich war noch nicht volljährig und hatte Schulpflicht. Es fühlte sich an, als wäre ich steckengeblieben und als würde mir etwas Wichtiges entgehen. Als würden die Veränderungen fehlen. Seit Beginn meiner Pubertät wollte ich weg aus der Stadt, der ich mich nie wirklich zugehörig fühlen konnte. Ich verband nie wirklich etwas mit dieser Stadt. An sich ist meine Heimatstadt eine schönes Fleckerde, besonders die Altstadt mit ihren alten Gebäuden im Stil der Renaissance und dem Barock. Aber das war es auch. Später war es dann die Familie, die mir zu sehr als Last erschien, die Schulfreunde, die langsam zu Fremden wurden und die Umgebung, die immer mehr an Farbe für mich verlor.Die Sehnsucht nach der Ferne basierte eigentlich schon immer auf den Veränderungsdrang und auf die Unzufriedenheit keines ultimativen Neubeginns. Das Belastende hinter sich lassen und die Suche nach einem Ort, der besser, schöner ist als dort, wo man gerade sich befindet.

Man könnte meinen, dass ich mich ein Ort schnell langweilen kann, aber so soll es nicht herüberkommen. Ich liebe es sesshaft an einem Ort zu sein. Aber bisher habe ich noch keinen Ort gefunden, wo ich mich wirklich heimisch fühle. Ich bin noch auf der Suche nach diesem einem Ort, den man Heimat nennen kann. Aber bis dahin muss ich versuchen aus der Alltagsfalle herauszukommen, die ich mir wieder erneut selber baute.