Donnerstag, 1. Februar 2018

VIDEO: EIN OFFENER BRIEF AN MEIN FRÜHERES SELBST

Liebe Anna,


ich weiß, wie sehr du selbstgeschriebene Briefe liebst und gern welche bekommen würdest.  Ich habe , nein wir haben dieses Jahr das 18. Lebensjahr erreicht und daher nehme ich dies als Anlass dir zu schreiben. In deiner Blütezeit der Pubertät hattest du einige Hürden zu überwinden und Kämpfe zu kämpfen. Der Kampf mit deiner Umgebung, mit deinen MItschülern, aber besonders der Kampf mit dir selbst.
Tage, Wochen, Monate, nein sogar Jahre waren überwiegend geprägt von Selbsthass, Selbstverleugnung und eine reine Zerreißprobe mit deinen eigenen Gewissen. Jedes einzelne Mal plagte dich dein schlechtes Gewissen, weil du deinen eigenen Maßstäben nicht gerecht werden konntest. Hast dich selber dafür gehasst, weil du nicht in die selbe Hosennummer gepasst hast, wie deine ach' so wunderschönen, dünnen Mitschülerinnen. Die stolz einen Tigh-Gap "trugen" und diesen mit Hochmut als wahren Schönheitsideal präsentierten. Aber ich kann dich vergewissern. Es waren nicht deine Schönheitsideale, sondern die deiner Mitmenschen. Dein wahrer Schönheitsideal besteht darin, die Schönheit des einzelnen zu erkennen, was er in sich trägt und nicht ein oberflächlicher Maßstab der Milliarden Jahre von dir entfernt ist. Der nicht zu dir passt.

Also sei beruhigt.


Sätze, wie "Bleibt du selbst.", "Liebe dich so wie du bist.", haben dich innerlich erwärmt, wo du allmählich anfingst kalt zu werden, abzustumpfen. Jugendmagazine, die dir das lehren wollten, haben dich gleichermaßen aber verunsichert, weil direkt auf den nächsten Seiten die neusten Trends und Schönheitstipps aufgelistet wurden. Du wolltest einfach dazugehören. Nicht auffallen um jeden Preis wegen der Angst ausgegrenzt zu werden. Aber wo du angefangen hast dich selber zu verleugnen, ein Gerüst aufzubauen von falschen Idealen, hast du somit den anderen erst recht eine Angriffsfläche geboten. Was für ein Paradoxon. Gib dir nicht die Schuld dafür, dass du dich in einer solchen Lage befindest. Die Schuld liegt nicht an dir, sondern an deinen Mitmenschen, die selber von ihren Minderwertigkeitskomplexen geplagt sind. Sie versuchen nur dich mit ins selbe Boot zu holen, zu behalten, damit sie verhindern können, dass nicht einer aus dem Teufelskreis ausbricht.

Also sei beruhigt.


Du hast dich ausprobiert. Die verschiedensten Stilrichtungen und Lebensphilosophien ausprobiert. Aber irgendwann hast du sie adaptiert und dich in den Stereotypen verloren. Hast nicht hinterfragt, ob es wirklich zu dir passt. Du wolltest originell sein. Um jeden Preis wolltest du Originalität gewinnen, um jemand zu sein, der nicht du bist. In diesen Wirrwarr der Selbstfindung hast dich nach jemanden gesehnt, der dich so akzeptiert, wie du bist. Aber ich frage dich, wie kann man jemanden lieben, der sich nicht mal selber liebt?

Aber sei beruhigt, du wirst jemanden finden, der treu an deiner Seite stehen wird und dich dafür liebt, wer du bist. Und es ist nicht nur eine einzelne Person, sondern kostbare Menschen, die du an einer Hand abzählen kannst. Du wirst sie lieben, sie werden dich lieben und wirst dich selber lieben lernen.
Du hast richtig gehört. Du wirst irgendwann an einem Punkt gelangen, wo du dich selber wunderschön finden wirst. Selbst mit deinen ach' angeblichen Schönheitsfehler. Du wirst mit deinen Körper und deiner Seele eins werden und positive Schwingungen ausstrahlen. Sie sogar verbreiten, wo dir dafür viele deiner Mitmenschen dankbar sind.
Du bist ein toller Mensch mit erstaunlichen Gedankengängen. Ich wollte dir einfach "Danke" sagen, dass du dich nicht selber aufgegeben hast, an der Stelle, wo andere wiederum das Handtuch geschmissen hätten. Aus dir bin ich erst entstanden. Du bist ein wertvoller Teil von mir, mit wertvollen Lektionen, die du mir erteilt hast. Danke dafür.
Ich kann dir mit ruhigen Gewissen sagen, dass du wunderschöne Erfahrungen sammeln wirst. Alleine, aber auch mit anderen zusammen. Du wirst daran wachsen. Du wirst deine Blüte entfalten.
Warte nur ab. Das Warten lohnt sich.



Dienstag, 30. Januar 2018



Ich bin ein Denker. Ich denke 24/7 über meine Umwelt, meine Freunde, meine Arbeit und über mich selbst nach. Gibt es zwischen den Marathons aus einzelnen Denkepisoden auch mal eine denkfreie Zeit? Nicht wirklich. Ich habe bereits als junges Mädchen damit angefangen alles zu hinterfragen und ich meine wirklich. alles. zu hinterfragen. Dazu kam, dass ich in meiner Jugend nie die Selbstbewussteste war. Ich gehörte eher zu den Jugendlichen, die auf Schulfotos lieber hinter den letzten Reihen verschwand, um ja' nicht auf das Klassenfoto zu kommen. Ich tauchte quasi unter. So geschah auch mitunter, dass ich eher als Einzelgängerin unterwegs war. Soziale Interaktionen waren mir suspekt. Ich verstand den Zweck menschlicher Beziehungen nicht, wenn sich so wieso alle untereinander niedermachten. Oder hinter den Rücken über sich gegenseitig herzogen. Diese Lektion lernte ich bereits, während meiner Oberschulzeit. Und nun stand ich überwiegend am Spielfeldrand, außerhalb des Geschehnisses. Kaum eine Beteiligung an dem Spiel, was man Freundschaft nannte. Ich nahm eher die Position der Beobachterin ein.
Ich bin nicht hier um eine Tüte Mitleid über das Internet zu erhaschen, wie schwer meine Jugend für mich war. Das ist Vergangenheit. Ich möchte viel mehr zu Ausdruck bringen, wie schwer es ist aus meiner Sicht, wenn man 24/7 durchgehend nachdenkt. Und ich kann euch sagen, das ständige Nachdenken macht mich mental krank. Jedes mal denkst du erneut über dein Handeln, bereits Gesagtem, Mimik und Gestik nach. Fragen wie "Wie wirke ich auf andere?" oder "Kommt mein Gesagtes genauso bei meinen Gegenüber an, wie ich es meine?" schwirren dir stätig durch den Kopf, um ein Feedback von dir selber zu bekommen, was du eigentlich so sehr von deinen Mitmenschen sehnst. Nur um ein weiteres Stückchen Klarheit zu bekommen, ob es überhaupt ein Sinn macht, was du sagst oder tust. Ob es zusammenpasst mit den Rest deiner Persönlichkeit. Ich bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, wo ich von mir selber aus sage, dass ich noch längst nicht an dem Punkt angekommen bin, wo man eine andere Person wiederum als "selbstsicher" beschrieben hätte. Ich bin das Gegenteil einer selbstsicheren Person. Auf dem ersten Blick scheint es so, dass ich eine große Klappe hätte, selbstbewusst wäre und schlagfertig den nächst passenden Spruch loslassen würde. Aber ich kann euch die Illusion nehmen, Wie gesagt, ich bin ein Denker. Ein Denker, der 24 Stunden in der Woche, darüber nachdenkt wie er auf andere wirkt. Und das nicht auf das Äußere bezogen, ob andere mich für attraktiv halten oder nicht, ist mir egal. Wie ich in der Öffentlichkeit herumlaufe, ist meine Angelegenheit und nicht der anderen. Einerseits am Mangel an Selbstvertrauen in meinen eigenen Worten, ist es andererseits die Angst davor, andere Leuten zu verletzten und das mit bloßen Worten.  Missverständnisse, die man hätte verhindern können, hätte man für den anderen die richtigen Worte gefunden, um seine Empfindung verständlich herüber zu bringen. Ich glaube viele können aus Erfahrung sprechen, wie sehr es weh tut, wenn man durch Worte verletzt wird. Und ich sage euch, so was tut mehr weh als eine körperliche Wunde.

Wisst ihr eigentlich wie faszinierend Kommunikation ist, aber komplex zu gleich? Man kommuniziert auf unterschiedlichen Ebenen, nicht nur verbal, sonder auch non-verbal. Worte machen bei der Kommunikation nicht mal die Hälfte aus. Die längste Zeit kommunizieren wir unbewusst und das über unsere Körperhaltung oder unseren Gesichtsausdruck. Worte kann man vortäuschen, man kann sogar Körperhaltungen und deren Bedeutung lernen und trainieren. Aber in einer unaufmerksamen Minute, wo du denkst, keiner nimmt dich wahr, nimmst du unbewusst eine Körperhaltung ein, die mehr über dich verrät als du dir erträumen lassen kannst. Und das ist nicht alles. Man kommuniziert nicht nur durchgehen durch seine Körperhaltung oder Mimik und Gestik, sondern auch durch die Energie, die man ausstrahlt. Besonders Empathen oder hochsensible Menschen können die Umgebungsenergien wahrnehmen. Nicht ohne Grund gibt Sprichwörter wie "Ich glaube, hier herrscht dicke Luft.". Man kann vom alleinigen Betreten eines Raumes die Grundenergie wahrnehmen und deuten, was für eine Stimmung aktuell herrscht. Man kann allein vom bloßen Wahrnehmen die Emotionen des anderen erkennen und nachfühlen ohne ihn vorher gefragt zu haben, was los sei. Das macht für mich gerade die Kommunikation so faszinierend, aber beängstigend zu gleich. Man kann einerseits Menschen mit "einfachen" Worten tausende Messerstiche verpassen, aber andererseits mit Menschen interagieren ohne Worte verwendet zu haben.